Seit September 1995 besteht die Schulpartnerschaft Ostrow - Spandau - Storkow  zwischen dem Lyceum II in Ostrow/Polen, der Martin-Buber-Oberschule in Spandau und der Europaschule Storkow. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, Vorurteile zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen, aber auch zwischen ostdeutschen und westdeutschen jungen Menschen durch intensive Begegnungen bewusst zu machen und dann natürlich auch zu beseitigen. Dabei wurde von Anfang an darauf geachtet, nicht in aktivem touristischem Austausch stecken zu bleiben. Natürlich haben wir in den fast neun Jahren wunderschöne Einblicke in Land und Leute diesseits und jenseits der Oder gewinnen können - beispielhaft seien Krakau, Kreisau, Berlin, Spreewald, Danzig und Masuren genannt - aber den Kern der Begegnungen bilden die intensiven Arbeiten an verschiedenen thematischen Schwerpunkten, die jeweils die Treffen eines Jahres durchziehen. Nach einem ersten Jahr des gegenseitigen Kennenlernens - hier wurden vorrangig die Schulen und die jeweiligen Heimatstädte vorgestellt - hat sich die Schulpartnerschaft dieses Konzept gegeben, da Schüler wie auch Lehrer darin einig waren, dass bloßes Reisen immer an der Oberfläche bleibt und auch relativ schnell langweilig wird. So beschäftigten sich die Schüler z. B. ein Jahr lang gemeinsam mit den Lebensplänen von Jugendlichen und kamen zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zwischen Deutschland und Polen gar nicht so groß sind. Im nächsten Jahr verglichen sie Feste, Bräuche, Literatur, Musik und Tanz, Vorurteile und Klischees, um sich ein besseres Bild von der Kultur des jeweils anderen zu machen. Intellektuell wie auch emotional besonders anspruchsvoll war das Thema Nationalismus und Nationalsozialismus, zu dem das letzte Treffen in Krakau und in Oswiecim/Auschwitz stattfand. Aufgrund der intensiven Vorarbeit und der damit verbundenen Sensibilisierung ging der Besuch der Konzentrationslager vielleicht noch tiefer unter die Haut als das bei den meisten Besuchern der Fall ist. Weitere Themen waren der Verlauf der Wende 1989 und die Veränderungen, die sie für die Jugendlichen der hier vertretenen Regionen gebracht hat, und im Schuljahr 2001/02 die Suche nach deutschen Spuren in Polen und polnischen Spuren in Deutschland. Unser zwanzigstes (!) Treffen fand in Cottbus statt, wo wir den in einem kleinen Ort in den Masuren begonnenen Vergleich des Naturschutzes in Deutschland mit dem in Polen fortführten.
Das Wesen dieser Schulpartnerschaft ist wohl der besondere Geist , der hier gepflegt wird. Das intensive Miteinander der Jugendlichen steht trotz aller anspruchsvollen Thematik immer im Mittelpunkt. Dabei wirken die Themen wie auch die vielen verschiedenen Methoden - Umfrage, Theateraufführung, Ausstellung, Erstellung von Unterrichtsmappen, Videofilm, Wasseranalysen, Anlegen eines Naturpfades, historische Kartensammlung - genauso als hervorragendes Medium wie die äußeren Bedingungen. Anfangs haben wir in Turnhallen geschlafen und uns das Essen meist selbst zubereitet, um möglichst viel miteinander zu tun. Natürlich ist die polnische Seite der deutschen sprachlich weit voraus, aber immerhin gibt es jeden Morgen nach dem Frühstück 30 bis 40 Minuten Polnischunterricht - von Schülern für Schüler. Von jeder Schule nehmen immer zehn SchülerInnen und zwei Lehrkräfte teil. Die SchülerInnen können ein Jahr mitmachen, sie können aber auch länger dabeibleiben. Anfangs gab es eine strikte Festlegung auf die Jahrgänge 11 und 12. Aus mehreren Gründen haben wir diese Regelung aber bald fallengelassen und ein Experiment gewagt. Seitdem findet sich in der Zusammensetzung der Gruppen immer mal wieder eine Spanne von der 7. bis zur 13. Klasse. Unsere Erfahrungen damit sind überwältigend. Egal welches Thema zu bearbeiten war und welche Methode anstand, immer empfanden alle die Zusammenarbeit mit Leuten ganz anderen Alters als Bereicherung.  Immer wieder zeigte sich, dass jeder seine besonderen Fähigkeiten hat und somit auch besondere Beiträge leisten kann. Diese Erfahrung werden wir gerne ins allgemeine Schulleben übertragen. Es fällt schwer, die Frage nach den Höhepunkten der neun Jahre zu beantworten, jeder wird seine eigenen Prioritäten setzen, aber die Tage in Auschwitz oder das unverhoffte Treffen mit Freya von Moltke, der Witwe von Helmut Graf James von Moltke, auf dem ehemaligen Gut in Kreisau, wo sich die Widerstandsbewegung Kreisauer Kreis getroffen hatte, gehören sicher dazu. Auch auf die Auszeichnung durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk im Sommer 2001 - wir gewannen den
ersten Preis für ein herausragendes Projekt in der Kategorie Schüleraustausch - sind wir sehr stolz. Mehr Informationen dazu gibt es auf dieser von den SchülerInnen selbst gestalteten Internetseite der Schulpartnerschaft: www.ger-pol.friendship.org.  Im Sinne unseres Anliegens ist aber sicher auch der Ausspruch einer Schülerin ein Höhepunkt: Früher hatte ich auch Vorurteile gegen Polen, aber seit ich in dieser Partnerschaft mitmache und viele Polen kennengelernt habe, ist das vorbei.