Treffen der Schulpartnerschaft vom 03.09. bis 08.09.2006 in Breslau/Wroclaw


Gruppe 2
Dokumentation der Kriegs- und Nachkriegszeiten der Stadt Breslau/Wroclaw




Gruppe 3
Umfrage unter der Breslauer Bevölkerung zu den gegenwärtigen deutsch-polnischen Verhältnissen und Partnerstädte von Breslau/Wroclaw

Die Stadt Breslau und ihre elf Partnerstädte arbeiten hauptsächlich im kulturellen Bereich zusammen. Es werden Verträge geschlossen, die die Zusammenarbeit in den jeweiligen Bereichen regeln. In Deutschland sind die Partnerstädte Dresden und Wiesbaden; andere Partnerschaften gibt es zum Beispiel in den USA, aber auch in Mexiko. Aber nicht jede Partnerschaft kann geschlossen werden, so wurde zum Beispiel eine Partnerschaft mit London angestrebt, aber durch verschiedene Umstände nicht geschlossen. Hauptgründe für eine Partnerschaft sind vor allem von dem Anderen zu lernen und Ideen zu sammeln.
Mit Dresden und Wiesbaden gibt es eine intensivere Zusammenarbeit, als mit den anderen Ländern, wobei die intensivere Partnerschaft zu Wiesbaden nachgelassen hat durch den Wechsel des Oberbürgermeisters. Es gab sogar eine Partnerschaft zu einer Stadt in Weißrussland, die eingestellt wurde, auf Grund der vorherrschenden politischen Situation. Zu Dresden gibt es die längste Beziehung, die seit 1959 bestehen. Ein offizieller Vertrag wurde 1963 unterzeichnet. Es werden intensive Partnerschaften im Bereich des Denkmalschutzes und des Handels betrieben. Weitergehend gibt es viele Projekte im Bereich der Partnerschaft. 1997 gab es eine große Hochwasserkatastrophe in Breslau, wobei Dresden im Bereich der Schadensbeseitigung geholfen hat. Andersherum 2002 gab die Flut in Dresden den Breslauern Anlass, ihrerseits Unterstützung zu geben.


Der Name Breslau kam von einem König.
Der heutige Oberbürgermeister der Stadt Breslau ist daran interessiert auch diesen Namen der Stadt in offiziellen Schreiben nach Deutschland neben den Namen Wroclaw zu verwenden.
In den Potsdamer Beschlüssen von 1946 wurde die Vertreibung der Deutschen aus den polnischen Gebieten beschlossen und alle Deutschen mussten dieses Gebiet verlassen. Viele der Flüchtlinge gingen in die Umgebung von Dresden und dem Ruhrgebiet und Polen aus Lemberg und Umgebung kamen nach Breslau. In dieser Zeit hat Breslau einen 100%igen Einwohnerwechsel erlebt. Beide Städte, sowohl Breslau, als auch Dresden wurden sehr stark zerstört. Die neuen Einwohner aus Breslau, die selbst Flüchtlinge waren, kamen aus dem östlichen Polen, die von der Sowjetunion vertrieben wurden. Die neuen polnischen Einwohner fühlten sich hier lange fremd.
1997 kam der Papst zu Besuch nach Breslau. Anlässlich dieses Besuches wurde die Stadt schöner. Der Tourismus hat eine besondere Bedeutung für die Stadt, denn es gibt viele Nostalgiereisende, die die Stadt ihrer Kindheit sehen möchten. Erwähnenswert ist, dass es keine negativen Erfahrungen mit den ehemaligen Einwohnern der Stadt gibt (z.B. Rückverlangung von ehemaligen, zwangsenteigneten Besitz).



Gruppe 4
Geschichtliche Hintergründe der neuen politischen Ordnung in Europa nach dem 2. Weltkrieg


Die ersten Informationen über die Stadt Wroclaw stammen aus dem Jahre 1000 nach Christus. Bis zum 1335 war Wroclaw unter der Herrschaft von Piastow. Von da an bis zum 16. Jahrhundert war Wroclaw tschechisch. Danach gehörte sie bis zum Jahre 1741 zum Geschlecht der Habsburger. Ab 1741 bis zum ersten Weltkrieg gehörte Wroclaw zu Preußen und dann bis zum Jahre 1945 zum dritten Reich. Im letzten Kriegswinter wurde Breslau angegriffen und viele Menschen mussten flüchten. Durch die Kälte der Wintertage mussten viele Menschen den Tod erleiden. Ab den 16.4. wurde Breslau zur Festung. Die Stadt wehrte sich bis zum 6.5., doch sie musste schließlich kapitulieren. Breslau wurde sehr stark zerstört, vor allem die Altstadt. Auf der Jalta-Konferenz wurde vereinbart, dass Schlesien polnisch wird. Dafür musste Polen die östlichen Teile an die Sowjetunion abtreten. Im August übernahm Polen die Herrschaft über Schlesien. 1946 begannen zahlreiche Deutsche auf die andere Seite der Oder umzusiedeln, doch die Deutschen fühlten sich als Vertriebene und nicht als freiwillig Gegangene. Statt den deutschen Bürgern lebten nun polnische Vertriebene in Breslau, die aus dem Osten Polens vertrieben wurden. Beide Seiten fühlten sich benachteiligt und waren mit der Situation nicht zufrieden. Danach wurde Polen kommunistisch regiert. Die Menschen durchlebten eine schwierige und harte Zeit. Durch die Misswirtschaft der Regierung, ging es den Menschen so schlecht, dass die Polen im September 1980 streikten. Mit militärischer Gewalt wurde der Aufstand niedergeschlagen und erst 1990 konnte die Gewerkschaft Solidarnosc in freien Wahlen die Regierung übernehmen.


Erinnerungen einer Frau:
- Gegen Morgen, als es schon ganz hell war, stellte man endlich einen Zug bereit. Er bestand aus mehreren Personenwagen ohne Fensterscheiben. In manchen Abteilen fehlte sogar der Fußboden. Hinter den Personenwagen wurden einige Kohlewagen angeschlossen. Noch während der Fahrt stürmte die Menge den Zug. In dem Gedränge geriet eine ältere Frau unter die Räder. Ihre Tochter schrie entsetzlich. Die Miliz griff ein, versuchte Ordnung zu schaffen, sie zerrten die Menschen von den Dächern und Puffern; hier und da kam es zu richtigen Raufereien. Vater und ich hatten wenig Chancen, in den Zug zu kommen. -



Gruppe 5
Menschenschicksale: Auf den Spuren der Breslauer in der Kriegs- und Nachkriegszeit


1.
Eine deutsche Frau (67 Jahre), geboren in Schlesien, hatte im 2. Weltkrieg eine qualvolle Zeit, da es wenig Konsumgüter gab. Sie haben aus Töpfen von Russen gegessen, die manchmal etwas zum Essen übrig hatten. Über die Flucht weiß sie nicht mehr sehr viel, da sie noch sehr klein war und über die Vorfälle so schockiert war, dass sie diese Zeit verdrängt hat. Sie musste mit ihrer Familie nach Deutschland (Weimar) flüchten und lebt heute immer noch dort.
Nach der Flucht konnte sie sich in Deutschland gut integrieren, sie heiratete, bekam Kinder und fand Arbeit. Ihre Muttersprache Polnisch beherrscht sie jedoch nicht mehr. Ihre alte Heimat findet sie wunderschön. Da sie sich ein neues Leben in der neuen Heimat aufgebaut hat, würde sie nicht mehr in die alte Heimat zurückkehren. Sie kommt aber gerne zu Besuch.

2.
Eine weitere deutsche Frau, auch in Schlesien geboren, kann sich kaum selber an die Flucht im Jahre 1941 erinnern, da sie es als kleines Kind erlebt hatte. Sie ist heute 68 Jahre und lebt auch in Weimar. Sie kann nur durch die Erzählungen ihrer Mutter diese Zeit nachvollziehen. In Weimar hat sie wie andere Flüchtlinge auch Fuß gefasst und eine neue Heimat gefunden. Sie findet es schön in ihre alte Heimat zu reisen und Gleichgesinnte zu treffen. Wroclaw ist für sie eine wunderschöne Stadt geworden mit vielen netten Menschen.

3.
Ein polnischer Mann, 79 Jahre, hat starke Erinnerungen an den Krieg. Die Familie ist nicht geflüchtet, sondern musste sich verstecken. Sie wurde 1946 nicht vertrieben und konnten bleiben. Sein weiterer Lebensweg war schwierig besonders in sozialistischen Zeiten. Er möchte nicht, dass Deutsche hier wieder Fuß fassen, denn die Polen brauchen deren Geld nicht. Er ist ein stolzer Pole und möchte in polnischer Erde begraben werden.

4.
Eine andere polnische Frau, 56 Jahre, kann auch nicht viel über Flucht und Vertreibung berichten. Sie weiß, dass diese Zeit eine grausame war, da sehr viele Polen von den Nazis umgebracht wurden. Auch zu Zeiten des Sozialismus war es schwer zu leben. Sie lebte erst in Bydgocz und jetzt in Wroclaw. Ihr Lebensweg verlief trotzdem normal. Sie ist Besitzerin einer Bar. Sie würde ihr Land niemals verlassen, verreist aber gerne in
andere Länder.

5.
Eine 87 jährige polnische Frau, in Schlesien geboren empfand ihre Flucht mit den Kindern nach Holland als grauenvoll. Ihre Tochter wollten die Russen entführen, bloß weil sie ein Lied sang. Bis heute erinnert sie sich mit Grauen daran. Geflohen sind sie aus Angst vor den Russen.
Nach dem Krieg (einige Jahre später) kamen sie zurück nach Polen. Da ihr Mann im Krieg gefallen war, heiratete sie erneut und versuchte ein normales Leben aufzubauen. Sie ließen sich in Oberschlesien nieder und arbeiteten im Bergbau. Heute wohnt sie wieder in ihrer alten Heimat Wroclaw.

6.
Ein Mann im Alter von 64 Jahren hat keine Erinnerungen an den 2. Weltkrieg. Seine Familie wurde aus Oberschlesien vertrieben und ging nach Westfalen. Sie sind nie wieder nach Oberschlesien wieder gekommen.

7.
Ein anderer Mann, 72 Jahre und Deutscher, hat den Krieg als bedrückend und als Katastrophe erlebt. Er flüchtete 1945 aus Angst vor den Russen aus Cottbus in den Westen und blieb da.

8.
Eine weitere Frau 68 Jahre hat auch wenig Erinnerungen an den Krieg. Sie weiß nur, dass sie evakuiert wurden aus Ostpreußen und nie wieder in ihre Heimat zurückkehrten.

9.
In der nächsten Zeugenbefragung erzählte uns ein Ehepaar, dass sie als Kinder aus Niederschlesien vertrieben wurden. Sie gingen 1946 nach Westfalen wo sie gut eingegliedert wurden und ein neues Leben anfingen. In ihre alte Heimat würden sie nicht zurückkehren, weil sie wieder neu anfangen müssten.

10.
Ein anderer Mann erzählte, dass er aus dem Osten Polens in den Westen Polens geflüchtet war. Er wohnt bereits
seit 64 Jahren in Wroclaw.

11.
Eine 70jährige Frau, geboren in Polen, empfand den Krieg als traurig, obwohl sie noch ein Kind war. Ihre Familie ist in der Kriegszeit nach Schlesien, Breslau geflüchtet. Sie empfand die Nachkriegszeit als schwierig und zog schließlich in die DDR. Dort lebte sie in Armut und wurde immer als zweitklassiger Mensch behandelt. Sie möchte nicht mehr zurück nach Polen, nur noch um ihre alte Heimat zu besuchen.

12.
Eine 75jährige Frau erlebte die Kriegszeit sehr hart. Sie flüchtete mit ihrer Familie 1945 nach Tschechien und wurde dort wiederum 1946 von dort vertrieben. Sie flüchtete zunächst nach Breslau und wurde dann nach Thüringen vertrieben. Auch sie würde nur noch als Besucher ihre frühere Heimat besichtigen.

13.
Der nächste Befragte wurde 1930 geboren und während des Krieges lebte er unter normalen Verhältnissen. Ab 1944 wurde er zum Stellungsbau eingeteilt. Am 28. Januar 1948 zog er sich eine Kriegsverletzung zu und flüchtete mit seiner gesamten Familie nach Hamburg. Seine Vater wurde in Braunsdorf bei Strokow geboren und in Fürstenwalde/Spree beerdigt. Er würde nicht mehr in seine alte Heimat nach Wroclaw zurückkehren.


14.
Der nächste Befragte lebte als Kind in Oberschlesien in guten Verhältnissen. Am 01.09.1949 wurde er mit seinen Großeltern nach Dresden vertrieben. Sein Lebensweg führte über die Schule zu einem Studium im Eisenbahnwesen. Danach arbeitete er bis 1995 bei der Bahn. Er konnte sich gut in Deutschland integrieren und hatte keine Nachteile. Er will nicht zurück, da er kaum Erinnerungen an seine Heimat hat und sich ein schönes Leben in Deutschland aufgebaut hat.

15.
Eine 1940 in Breslau geborene Person flüchtete während des Krieges über Görlitz nach Halle. In der Nachkriegszeit machte sie eine Friseurausbildung, die ihr trotzdem nicht das erhoffte bessere Leben brachte. Sie würde nicht in ihre alte Heimat zurückkehren, da sie eine neue Heimat angenommen hat. Sie besuchte nur ihre Heimatstraße in Breslau.

16.
Eine andere Frau erzählte uns, dass sie Flüchtlinge aufnehmen musste. Diese kamen in Köln an und wurden in einem Saal auf Strohsäcke gesetzt um danach verteilt zu werden. Die Flüchtlinge wurden gut aufgenommen. Sie erzählte, dass eine Bekannte von ihr mit ihren Eltern auf einem Schloss arbeitete, bis sie 1945 ein Grundstück in Stettin bekamen und wegzogen. Ihrer Tochter wurde eine Integration versagt, da sie kein Deutsch sprach.


17.
Ein weiteres Paar berichtete, dass der Mann im Alter von 12 Jahren mit seiner Familie aus Polen vertrieben wurde. Die erste Zeit, nachdem die Russen kamen, blieben sie auf dem Grundstück, um das Vieh zu versorgen, bis sie nach Dresden zogen. Der Mann konnte sich auf Grund seiner Deutschkenntnisse gut integrieren. Für Heimweh war bei ihm zu dieser Zeit kein Platz, da er zu viel zu tun hatte und letztendlich auch eine Frau fand. Er kann sich nicht vorstellen, wieder in seine alte Heimat zurückzukehren.


18.
Eine weitere Frau erzählte uns, dass ihr Vater im Krieg verschollen war und Mutter und Oma demzufolge 4 Kinder allein großziehen mussten. Die Frauen ließen ihre vermissten Männer nicht eher für tot erklären, ehe sie nicht deren Erkennungsmarke zu sehen bekamen. Als dann auch noch die Oma starb wurden sie einer anderen Familie zwangszugewiesen. Die Frau war noch sehr jung damals, deshalb kann sie sich nicht vorstellen, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren.