1.
Eine deutsche Frau (67 Jahre), geboren in Schlesien, hatte im 2. Weltkrieg eine qualvolle Zeit, da es wenig
Konsumgüter gab. Sie haben aus Töpfen von Russen gegessen, die manchmal etwas zum Essen übrig hatten.
Über die Flucht weiß sie nicht mehr sehr viel, da sie noch sehr klein war und über die Vorfälle so schockiert
war, dass sie diese Zeit verdrängt hat. Sie musste mit ihrer Familie nach Deutschland (Weimar) flüchten und
lebt heute immer noch dort.
Nach der Flucht konnte sie sich in Deutschland gut integrieren, sie heiratete, bekam Kinder und fand Arbeit.
Ihre Muttersprache Polnisch beherrscht sie jedoch nicht mehr.
Ihre alte Heimat findet sie wunderschön. Da sie sich ein neues Leben in der neuen Heimat aufgebaut hat,
würde sie nicht mehr in die alte Heimat zurückkehren. Sie kommt aber gerne zu Besuch.
2.
Eine weitere deutsche Frau, auch in Schlesien geboren, kann sich kaum selber an die Flucht im Jahre 1941
erinnern, da sie es als kleines Kind erlebt hatte. Sie ist heute 68 Jahre und lebt auch in Weimar.
Sie kann nur durch die Erzählungen ihrer Mutter diese Zeit nachvollziehen. In Weimar hat sie wie andere
Flüchtlinge auch Fuß gefasst und eine neue Heimat gefunden. Sie findet es schön in ihre alte Heimat zu reisen
und Gleichgesinnte zu treffen. Wroclaw ist für sie eine wunderschöne Stadt geworden mit vielen netten Menschen.
3.
Ein polnischer Mann, 79 Jahre, hat starke Erinnerungen an den Krieg. Die Familie ist nicht geflüchtet, sondern
musste sich verstecken. Sie wurde 1946 nicht vertrieben und konnten bleiben. Sein weiterer Lebensweg war
schwierig besonders in sozialistischen Zeiten. Er möchte nicht, dass Deutsche hier wieder Fuß fassen,
denn die Polen brauchen deren Geld nicht. Er ist ein stolzer Pole und möchte in polnischer Erde begraben werden.
4.
Eine andere polnische Frau, 56 Jahre, kann auch nicht viel über Flucht und Vertreibung berichten. Sie weiß,
dass diese Zeit eine grausame war, da sehr viele Polen von den Nazis umgebracht wurden. Auch zu Zeiten des
Sozialismus war es schwer zu leben. Sie lebte erst in Bydgocz und jetzt in Wroclaw. Ihr Lebensweg verlief
trotzdem normal. Sie ist Besitzerin einer Bar. Sie würde ihr Land niemals verlassen, verreist aber gerne in
andere Länder.
5.
Eine 87 jährige polnische Frau, in Schlesien geboren empfand ihre Flucht mit den Kindern nach Holland als
grauenvoll. Ihre Tochter wollten die Russen entführen, bloß weil sie ein Lied sang. Bis heute erinnert sie
sich mit Grauen daran. Geflohen sind sie aus Angst vor den Russen.
Nach dem Krieg (einige Jahre später) kamen sie zurück nach Polen. Da ihr Mann im Krieg gefallen war, heiratete
sie erneut und versuchte ein normales Leben aufzubauen. Sie ließen sich in Oberschlesien nieder und arbeiteten
im Bergbau. Heute wohnt sie wieder in ihrer alten Heimat Wroclaw.
6.
Ein Mann im Alter von 64 Jahren hat keine Erinnerungen an den 2. Weltkrieg. Seine Familie wurde aus
Oberschlesien vertrieben und ging nach Westfalen. Sie sind nie wieder nach Oberschlesien wieder gekommen.
7.
Ein anderer Mann, 72 Jahre und Deutscher, hat den Krieg als bedrückend und als Katastrophe erlebt.
Er flüchtete 1945 aus Angst vor den Russen aus Cottbus in den Westen und blieb da.
8.
Eine weitere Frau 68 Jahre hat auch wenig Erinnerungen an den Krieg. Sie weiß nur, dass sie evakuiert wurden aus Ostpreußen und nie wieder in ihre Heimat zurückkehrten.
9.
In der nächsten Zeugenbefragung erzählte uns ein Ehepaar, dass sie als Kinder aus Niederschlesien vertrieben
wurden. Sie gingen 1946 nach Westfalen wo sie gut eingegliedert wurden und ein neues Leben anfingen. In ihre
alte Heimat würden sie nicht zurückkehren, weil sie wieder neu anfangen müssten.
10.
Ein anderer Mann erzählte, dass er aus dem Osten Polens in den Westen Polens geflüchtet war. Er wohnt bereits
seit 64 Jahren in Wroclaw.
11.
Eine 70jährige Frau, geboren in Polen, empfand den Krieg als traurig, obwohl sie noch ein Kind war. Ihre
Familie ist in der Kriegszeit nach Schlesien, Breslau geflüchtet. Sie empfand die Nachkriegszeit als schwierig
und zog schließlich in die DDR. Dort lebte sie in Armut und wurde immer als zweitklassiger Mensch behandelt.
Sie möchte nicht mehr zurück nach Polen, nur noch um ihre alte Heimat zu besuchen.
12.
Eine 75jährige Frau erlebte die Kriegszeit sehr hart. Sie flüchtete mit ihrer Familie 1945 nach Tschechien
und wurde dort wiederum 1946 von dort vertrieben. Sie flüchtete zunächst nach Breslau und wurde dann nach
Thüringen vertrieben. Auch sie würde nur noch als Besucher ihre frühere Heimat besichtigen.
13.
Der nächste Befragte wurde 1930 geboren und während des Krieges lebte er unter normalen Verhältnissen. Ab 1944
wurde er zum Stellungsbau eingeteilt. Am 28. Januar 1948 zog er sich eine Kriegsverletzung zu und flüchtete mit
seiner gesamten Familie nach Hamburg. Seine Vater wurde in Braunsdorf bei Strokow geboren und in
Fürstenwalde/Spree beerdigt. Er würde nicht mehr in seine alte Heimat nach Wroclaw zurückkehren.

14.
Der nächste Befragte lebte als Kind in Oberschlesien in guten Verhältnissen.
Am 01.09.1949 wurde er mit seinen Großeltern nach Dresden vertrieben.
Sein Lebensweg führte über die Schule zu einem Studium im Eisenbahnwesen.
Danach arbeitete er bis 1995 bei der Bahn. Er konnte sich gut in Deutschland
integrieren und hatte keine Nachteile. Er will nicht zurück,
da er kaum Erinnerungen an seine Heimat hat und sich ein schönes
Leben in Deutschland aufgebaut hat.

15.
Eine 1940 in Breslau geborene Person flüchtete während des Krieges über Görlitz nach Halle.
In der Nachkriegszeit machte sie eine Friseurausbildung, die ihr trotzdem nicht das erhoffte
bessere Leben brachte. Sie würde nicht in ihre alte Heimat zurückkehren, da sie eine neue
Heimat angenommen hat. Sie besuchte nur ihre Heimatstraße in Breslau.
16.
Eine andere Frau erzählte uns, dass sie Flüchtlinge aufnehmen musste.
Diese kamen in Köln an und wurden in einem Saal auf Strohsäcke gesetzt
um danach verteilt zu werden. Die Flüchtlinge wurden gut aufgenommen.
Sie erzählte, dass eine Bekannte von ihr mit ihren Eltern auf einem Schloss
arbeitete, bis sie 1945 ein Grundstück in Stettin bekamen und wegzogen.
Ihrer Tochter wurde eine Integration versagt, da sie kein Deutsch sprach.
17.
Ein weiteres Paar berichtete, dass der Mann im Alter von 12 Jahren mit
seiner Familie aus Polen vertrieben wurde. Die erste Zeit, nachdem die
Russen kamen, blieben sie auf dem Grundstück, um das Vieh zu versorgen,
bis sie nach Dresden zogen.
Der Mann konnte sich auf Grund seiner Deutschkenntnisse gut integrieren.
Für Heimweh war bei ihm zu dieser Zeit kein Platz, da er zu viel zu tun hatte
und letztendlich auch eine Frau fand. Er kann sich nicht vorstellen,
wieder in seine alte Heimat zurückzukehren.
18.
Eine weitere Frau erzählte uns, dass ihr Vater im Krieg verschollen war und Mutter
und Oma demzufolge 4 Kinder allein großziehen mussten. Die Frauen ließen ihre vermissten
Männer nicht eher für tot erklären, ehe sie nicht deren Erkennungsmarke zu sehen bekamen.
Als dann auch noch die Oma starb wurden sie einer anderen Familie zwangszugewiesen.
Die Frau war noch sehr jung damals, deshalb kann sie sich nicht vorstellen,
wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren.