Treffen der Schulpartnerschaft vom 26.11. - 30.11.2007 in Storkow und Ravensbrück


Ein Mahnmal in idyllischer Gegend

Am Rande der Stadt Fürstenberg(Havel) in ländlicher Umgebung befindet sich das ehemalige Konzentrationslager Ravensbrück, wo überwiegend weibliche Häftlinge interniert wurden. Insgesamt waren mehr als 130.000 Häftlinge inhaftiert, wovon 100.000 den grauenvollen Alltag überlebt haben. Heute befindet sich auf diesem Gelände eine Jugendbegegnungsstätte, wo sich die Schulpartnerschaft Ostrow – Storkow für drei Tage traf. Das Thema dieser und der nächsten Begegnung ist „Die Rolle der Frauen im Nationalsozialismus“. Wie sonst auch, arbeiteten die Schüler zu diesem Thema in vier verschiedenen Gruppen, wo die Schicksale der Frauen verschiedener Nationen thematisiert wurde. In einer anderen Gruppe wurde das Leiden polnischer Häftlinge diskutiert. Sie werteten polnisch sprachige Zeitzeugenberichte aus, um sich einen Überblick zu schaffen. Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit dem interessanten Thema „Die Täterinnen“, wo versucht wurde herauszufinden, welche Beweggründe die Aufseherinnen des Lagers hatten, dem Nationalsozialismus zu dienen. Eine vierte Gruppe wertete Interviews aus, die mit der Bevölkerung von Fürstenberg durchgeführt wurde, um deren Gefühle und Wahrnehmungen in Bezug auf die Existenz des Lagers in ihrer unmittelbaren Nähe nachzuvollziehen. Alle Gruppen setzten sich zum Ziel im Anschluss ihrer Erforschungen ihre Ergebnisse zu präsentieren.
Dieses sehr anspruchsvolle Thema soll bei der nächsten Begegnung in Krakau/Auschwitz weiter vertieft werden. Trotz des emotional anspruchsvollen Themas kam die Freizeitgestaltung nicht zu kurz. Am letzten Abend gestaltete die Austauschorganisationen Youth for Understanding, YFU und American Field Service, AFS einen multikulturellen Abend mit Spiel und Spaß.

Enrico Constabel
Europaschule Storkow


Arbeitsergebnisse aus Ravensbrück

Thema 1: Widerstand der Häftlinge



Thema 2: Polnische Häftlinge

Die Gruppe stellte allgemeine Informationen über das KZ Frauenlager Ravensbrück dar.
In den Jahren 1939-1945 wurden in Ravensbrück 40 000 polnische Frauen gefangen gehalten. 200 von ihnen wurden erschossen, 74 experimentellen Operationen unterstellt. Viele tausend waren aus Erschöpfung gestorben oder vergasen. 8000 haben Befreiung des Lagers abgewartet. Polnische Häftlinge waren in 3 Gruppen verteilt: politische Häftlinge deportiert im Rahmen von sogenannten Spezial - und Sondertransporten, die zweite Gruppe bildeten Frauen aus den Sammeltransporten aus dem Reichsgebiet, die dritte Gruppe bildeten Frauen aus dem aufständischen Warschau. Das Leben im Lager war sehr hart. Um 5 Uhr weckte Häftlinge das Sirenensignal stets auf. Die Frauen mussten ihre Betten machen und wurden gleich danach auf dem Apelplatz gezählt. Zum Frühstück war Suppe. Die Frauen mussten von Morgen bis zum Abend arbeiten. Die Häftlinge hatten verschiedne Arbeiten verrichtet zB: haben Sand von einer Stelle auf eine andere übertragen, haben Schnee von den Straßen gereinigt, haben Strumpfhosen gestrickt. Zum Mittagessen waren Pellkartoffeln und Suppe. Am Abend nach der Arbeit wurden sie wieder auf dem Apelplatz gezählt.
Die Gruppe präsentierte auch Lebensläufe von zwei polnischen Frauen: von Eugenia Kocwa und Wanda Póltawska. Eugenia Kocwa wurde am 11.11.1907 in Krakau geboren. 1941 wurde sie aus politischen Gründen ins KZ Ravensbrück geschickt. Im Mai 1944 gelang ihr die Flucht aus dem Lager. Ihr Fluchtweg war sehr lang. Zuerst ging sie nach Berlin. Dann wanderte sie weitere 3 Monate durch den südlichen Teil von Deutschland, durch Osterreich und kam endlich am 25.10.1944 nach fünfmonatiger Flucht in Krakau an. Sie starb am 25. November 1963 in Polen. Die zweite vorgestellte Frau- Wanda Póltawska wurden am 2.11. 1921 in Lublin geboren. Sie war Mitglied einer Pfadpfindergruppe und wurde im Alter von 19 Jahren von Gestapo verhaftet und ins KZ Ravensbrück geschickt. Im August 1942 wurden an ihr und an anderen polnischen Frauen brutale medizinische Experimente durchgeführt. Ziel dieser Experimente war angeblich, entzündungshemmende Medikamente zu testen, damit verwundete Soldaten besser behandelt werden konnten. Bei diesen Versuchen wurden zwischen August 1942 bis September 1943 polnische 74 Frauen auf verschiedene Weisen von den SS-Ärzten operiert.
Es wurden die Unterschenkel aufgeschnitten und die Wunden wurden mit Dreck, Holzteilchen und Glassplitten infiziert. Die entstehende Entzündung wurde dokumentiert.



Thema 3: Täterinnen



Am Anfang der Präsentation erzählten sie über die Ausbildung der Aufseherinnen.
Die Konzentrationslager wurden seit 1939 im Deutschen Reich für Häftlinge gegründet. Die SS Leute brauchte im KZ Ravensbrück und in den anderen KZ weibliche Aufseherinnen. Die meisten von ihnen wurden in Ravensbrück ausgebildet. Sie wurden hier politisch geschult. Sie kamen aus verschiedenen Sichten. Einige von ihnen wollten viel Geld verdienen, andere wollten Karriere machen, noch andere kamen aus anderen Gründen. Ihr Verhalten änderte sich im Laufe des Aufenthalts im KZ. Sie wurden immer brutaler, hatten kein Mitleid mit den Häftlingen. Nach dem II Weltkrieg kam es zu einigen Prozessen der Aufseherinnen.
7 von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Viele jedoch entkamen einer Strafe, weil sie sich als Opfer des Systems gesehen hatten. Die Teilnehmer der Gruppe haben sich genau die Ausstellung " Im Gefolge der SS" angeschaut. Sie haben auch einige Geschichte von den ausgewählten Häftlingen erzählt, um zu zeigen, wie rücichtslos die Aufseherinnen in Ravensbrück waren.

Thema 4: Mitläufer